11. Oktober 1998

Lob der Schönheit. Braunschweig

Filed under: Vorträge — Walter Ackers @ 20:00

Gedanken und Ansichten zum Lebensraum Innenstadt

Das Referat beruht auf einem Vortrag, den ich aus Anlaß des St. Auctors-Tages am 4. September 1998 in der Ägidienkirche gehalten habe und dem sich ein Lichtbildvortrag im Leisewitzhaus anschloß.

Die beeindruckende Kirchenhalle hatte mich animiert, über Begriffe nachzudenken, die wir in unserem Alltag im Zusammenhang mit Stadt und Raum kaum mehr benutzen mögen, die einen unzeitgemäßen Klang angenommen haben.

Sie mögen also Ihre inneren Bilder abrufen, die sie von der Ägidienkirche – oder auch anderen Kirchen Braunschweigs haben. Oder sich die vielen Räume der Stadt vor Augen führen, die bei den folgenden Begriffen auftauchen. Wie zum Beispiel diesen Raum hier, der ursprünglich ein Zwischenraum, ein Außenraum gewesen ist und mit den Mitteln seiner Zeit zu einem unverzichtbaren Versammlungsraum geworden ist. Oder die vielen Plätze und Straßen der Stadt, die für unser inneres Stadtbild unverzichtbar geworden sind.

Das eigentlich Thema dieses Vortrags bewegt sich um die Frage des Lebensraums Innenstadt, des Wohnens und der Bedeutung der Kirchen Braunschweigs für den inneren und äußeren Zusammenhang.


Liebe Braunschweigerinnen und Braunschweiger,

Dieser Raum ist friedlich. Hier kann man bleiben, zufrieden sein, sich aufhalten, weil man geschützt ist: genau das heißt wohnen.

Dieser Raum ist schön. Er ist von beeindruckender Schönheit. Es macht Freude, sich in ihm aufzuhalten. Dieser Raum schafft Ansehen.

Dieser Raum ist öffentlich: Er ist zugänglich für jedermann, öffnet sich jedem, der diesen Frieden nicht stört. Er ist öffentlicher Raum.

Über die Schönheit, über das Öffentliche und über das Friedliche möchte ich reden. Denn alles steht in einem Zusammenhang. Stadt. Wohnen. Oder Zivilisation.

Das ist mein Thema: die Stadt – der Raum, in dem wir zusammen leben.

1.

Die Städte sind in die Krise gekommen. Allerorten wird das Ende der Stadt diskutiert und die Zukunft in neuen Modellen beschworen. Dies ähnelt der Diskussion um den Bedeutungsverlust der Kirchen, denen die Gläubigen abhanden kommen. Auch der Stadt kommen immer mehr Gläubige abhanden. Braunschweig fürchtet um seine Einwohner, die sich auf das Land flüchten.

Wie in vielen anderen Städten Deutschlands sucht man mit neuen Einfamilienhausgebieten an den Grenzen der Stadt diese Stadtflüchtlinge aufzuhalten – Wohnsiedlungen als eine Art von Auffanggebiet, um wenigstens noch an der Einkommenssteuer zu partizipieren.

Denn eines ist klar: Auch wenn diese Aktivsten unserer Stadtbürger sich auf das Land zurückziehen und hier privatisieren – sie wollen weiterhin an der Stadt teilhaben. Theater, Kinos, Schwimmbäder und Sporthallen, Stadthalle und Schulen, Museen, Bibliotheken, Universität, Krankenhäuser und alle möglichen Dienstleistungen sollen selbstverständlich weiterhin zur Verfügung stehen. Sie wollen Städter bleiben – und gleichzeitig Natur, Ruhe und Abstand zur Hektik der Stadt gewinnen.

Wenn Kurt Tucholsky vor 70 Jahren fröhlich-frech die Frage formulierte: „Ja das hättste wohl gern, ein Häuschen zum Wohnen, vorne die Ostsee und hinten den Kuhdamm“ – oder auch umgekehrt –  dann hat er nicht daran gedacht, das uns diese Art des Wohnens dank des Autos und anderer technischen Errungenschaften tatsächlich möglich sein würde. Vorne den Harz. Und hinten den Bohlweg. Wir wollen tatsächlich beides. Natur und Kultur. Ruhe und Lebendigkeit.

2.

Wir können tatsächlich an vielem partizipieren, ohne wirklich anwesend zu sein. Die technischen Möglichkeiten erlauben uns dies. Wir wollen alles geboten bekommen ohne verantwortlich sein zu müssen – aber wir müssen uns damit auch vieles bieten lassen, ohne noch antworten und ver-antworten zu können. Dies ist ein Merkmal unserer Städte. Aber wir müssen uns fragen, wieviel an Verantwortung wir letztlich abgeben können, ohne uns selbst damit zu entmündigen.

Diese Anspruchshaltung wird sich auf Dauer nicht aufrecht halten lassen ohne die Stadt zu verlieren. Die Stadt ist nämlich nicht nur ein Serviceunternehmen, das wir der Stadtverwaltung aufbürden können. Die Stadt ist mehr. Sie ist ein Gebilde, das aus funktionalen und wirtschaftlichen, aber vor allem aus sozialen, geistigen und ästhetischen Zusammenhängen besteht.

Die Kirchen in Braunschweig geben der Stadt in dieser Hinsicht mehrfach Profil: Sie verdeutlichen die Glaubens- und Tatkraft der Gemeinden, den Gemeinsinn zu Zeiten, als Städte in ihrer Gesamtheit im Dienste Gottes verstanden wurden. Damaliges Handeln und Denken erwuchsen aus dem Glauben an Gott. Die Stadt als „Gottesdienst“, wie Karl Gruber – ein Städtebauer dieses Jahrhunderts – dies formulierte und in Gegensatz stellte zum „Fürstendienst“ in Renaissance und Barock und im Gegensatz zu unserer Zeit:

Wenn uns heute eine gemeinsame Idee bindet, so ist es wohl der Glaube an das Geld. Unsere Städte sind in ihrer Gesamtheit Kapitaldienst. Abschreibungsobjekte. Das ist unser Problem. Denn Schönheit läßt sich nicht abschreiben. Deshalb sprechen wir vorsichtshalber nicht mehr von ihr. Das sollten wir aber, wenn uns die Stadt etwas wert ist.

3.

Die Kirchen in Braunschweig sind ästhetische Fixpunkte: Ihre weithin sichtbaren Türme dominieren die Stadtsilhouette. Dieses Bild konfrontiert den Fremden mit der reichen Geschichte dieser Stadt. Ihre Schönheit spricht unsere Gefühle an. Sie geben uns Gewißheit über Zeit und Geschichte, über Raum und Ort.

Die Kirchen in Braunschweig sind soziale und räumliche Mittelpunkte ihrer Gemeinden. Man begegnet sich zur Andacht, zu Festen, zum Miteinander. Man wohnt hier. Nur hierdurch ist der Ort Braunschweig entstanden.

Die Stadt lebt zuerst von den Menschen, die in ihr wohnen. Wenn hier jedoch immer weniger Bürger wohnen wollen, wie die Statistik sichtbar macht  – und vor allem die aktivsten nicht – so ist das mehr als bedrohlich. Denn die meisten Abwanderer antworten, daß ihnen die Stadt zu laut ist, daß die Straßen zu gefährlich und die Wege zu häßlich sind. Das heißt nichts anderes, als daß ihnen die Stadt unwohnlich geworden ist – unheimlich, weil sie sich nicht mehr heimisch fühlen. Weil das Gleichgewicht zwischen Schönheit, Öffentlichkeit und Friedlichkeit – oder Wohnen – nicht mehr stimmt.

4.

Die Katharinenkirche ist schön. Schön stammt von dem Wort schonen – d.h. etwas vor der Zerstörung, der Erniedrigung bewahren, ihm immer wieder Wert verleihen. Das Gegenteil ist verbrauchen. Die Katharinenkirche wurde nicht geschont. Die Straßenbahn zerschneidet ihren Vorplatz, der Verkehr erschüttert ihre Mauern, der Lärm dringt bis ins Innere. Der Hagen – der umhegte, geschützte Raum – ist unbehaglich geworden. Dem Platz an der Nordseite, dem früheren Friedhof, fehlt jeder Schutz, fehlt der Frieden, die Grenze.

St. Ägidien ist ein öffentlicher Raum. Für alle zugänglich. Nur: wer kommt noch zu Fuß? Der Ägidienmarkt ist zerschnitten. Wer ihn überqueren will muß fünfhundert Meter laufen. Das zerstört das empfindliche Netz der öffentlichen Räume, die von ihrer Zugänglichkeit leben. Ohne diese Zugänglichkeit ist eine Stadt unzugänglich, abweisend, verschlossen. Und das zerstört die Gemeinde. Und es zerstört das städtische Bewußtsein. Der Spohrplatz, ebenfalls der frühere Friedhof, ist zwar durch eine Hauszeile geschützt, aber ihm fehlt das Ansehen, das er früher durch eine Vielzahl einzelner Fassaden hatte. Heute zeigen die Häuser dem Platz ihre Rückseite, halten Abstand. Dem Platz fehlt die private Zuwendung der Häuser und damit die Schönheit eines öffentlichen Raums.

Der Petri-Friedhof ist öffentlich. Viel zu öffentlich. Ein Friedhof ist per Definition ein eingefriedeter Ort der Ruhe, der nicht nur den Toten Schutz bietet (er lag früher meist innerhalb der sog. Kirchenfreiheit.) Er kann, er darf nicht die Öffentlichkeit einer Straße oder eines Platzes annehmen. Er benötigt den Schutz der Mauern und der Tore. Ihm geht es wie vielen anderen Parks und Gärten in deutschen Städten. Ursprünglich den Reichen und Mächtigen vorbehalten, wurden diese allen geöffnet und zugänglich gemacht – eine politische Errungenschaft mit großer symbolischer Bedeutung. Der Braunschweiger Schloßgarten zählt hierzu.

Dieser Park hat mehr Qualitäten, als viele meinen, die nie einen Fuß in ihn setzen, die ihn als öffentlichen Park aufgegeben haben. Am letzten Hansetag konnte man das erleben: ein richtiges Stadtfest in friedlicher Stimmung. Die Region zu Besuch.

Doch alltags und v.a. nachts sieht das anders aus. Aufgrund Lage und Wegeführung kann der Park von einzelnen Gruppen in Beschlag genommen werden: Privatisierung statt Öffentlichkeit.

5.

Wie kommt es, daß wir gerade in Deutschland Gärten und Parks so offenlegen und damit auch dem Vandalismus und der Zerstörung preisgeben? Sind sie uns nichts wert? Oder haben wir keinen Begriff von Schönheit mehr, so daß wir glauben, nichts schonen zu müssen?

Unser Begriff des Öffentlichen und damit auch des öffentlichen Raums ist gestört. Das hat historische Gründe: Weder das konservative Bürgertum noch die sozialistische Arbeiterbewegung haben die moderne Großstadt wirklich geschätzt. Im Gegenteil. Unter Hitlers Führerschaft und unter Mitwirkung der großbürgerlichen Kräfte haben wir der Stadt das öffentliche Bewußtsein ausgetrieben, das Fremde verbannt, unsere Geschichte zerrissen.

Mit der Zerlegung der Stadt in Siedlungseinheiten, in unserer Flucht ins Grüne und im übermäßigen Straßenbau nach dem Krieg schwingt das alles noch mit.  Nur raus aus diesen zerstörten Städten und Räumen, in denen wir im mehrfachen Sinne unser Ansehen verloren haben. So als wollten wir diese unselige Geschichte vergessen.

Diese Zerstörungen sind immer noch sichtbar. Das Verhältnis des Privaten zum Öffentlichen ist nicht in Ordnung. Ich möchte das beispielhaft konkretisieren und Sie – oder uns – direkt ansprechen – weil das Öffentliche nicht eine Aufgabe ist, die man der Stadtverwaltung delegiert, sondern etwas, das wir selbst verantworten müssen.

6.

Stadtbaurat Ludwig Winter hat mit seinen östlichen Stadterweiterungen hervorragende städtebauliche Qualitäten geschaffen. Wichtigster Gebäudetyp ist das freistehende, neoklassizistische Wohnhaus mit Vorgarten, historisch durch differenziert gestaltete Zäune mit Tor und häufig Torwächtern gesichert. Der öffentliche Raum der Straße war deutlich getrennt von privatem Haus und Garten. Dies gab beiden Seiten Sicherheit.

Ich habe mich immer gewundert, warum diese Bereiche in vielen Straßen so auffallend verkommen sind: Keine eisernen Gitter, keine Tore, die Zwischenräume mit Asphalt oder industriellem Betonsteinen zugepflastert, und Auflösung der Innenbereiche durch Stellplätze. In der Folge: Gestörte Ruhe, zerstörte Gärten, Häßlichkeiten.

Statt dessen: Jägerzaun. Maschendraht. Gitter wie auf dem Sportplatz. Ungeschnittene Hecken. Und selbst Stacheldraht findet sich zur Straße hin. Alles ohne jeden Anspruch an Gestaltung und Schönheit, allenfalls nackte Funktion – teilweise aggressive Schutzmaßnahmen. Selten liebevolle Details oder gehegte Gärten. Das Private hier benötigt dies offensichtlich nicht mehr – man wohnt nicht mehr hier. Man läßt wohnen.

Das setzt sich in Straßenräumen wie der Adolfstraße fort. Seitens der Autos wird hier nichts geschont – darunter leidet nicht nur die Schönheit: Bordsteine versinken im Asphalt,  die Autos werden oft mehr auf den Bürgersteigen als auf den Straßen abgestellt – legitimiert durch weiße Markierungen, kreuz und quer aufgetragen, verbogene Metallbügel, um die Bäume zu schützen, aufgeworfene Pflaster.

Dazwischen Verkrautungen  aller Art, legitimiert durch Umweltschutzsatzungen, die die Natur zur einer banalen Funktion neben Verkehrsansprüchen degradieren. Letztlich wird in diesem Wuchern-lassen nur unsere Gleichgültigkeit deutlich und damit jeder Kulturbegriff aus dem öffentlichen Raum verbannt.

(Viele Flächen müßten sich längst in der Pflege des Gartenamts befinden, wenn man den wildwüchsigen Grünanteil im Pflaster sieht. Um so auffälliger sind dann die seltenen Pflegemaßnahmen wie kürzlich am Altewiekring.)

Des weiteren: Mülleimer in den Zugängen und Einfahrten und Müllsammelanlagen an jeder dritten Straßenecke erklären den Abfall zum Kulturgut, verbreiten den Dreck in vielen Straßen und machen den Lärm von zersplitterndem Glas zu einer öffentlich akzeptierten Angelegenheit. Zerstörung als Normalität. Das kann uns nicht unberührt lassen. Darf ich bei splitterndem Glas weghören?

Ich weiß inzwischen, warum diese Vorgärten in Braunschweigs Mitte so auffallend vernachlässigt sind. Dies sind tatsächlich unbewältigte Kriegsschäden. Mit der Demontage der Tore und Gitter wurde nicht nur der private Raum offengelegt und der öffentliche Raum aufgelöst, sondern auch die Rüstung im letzten Krieg ein letztes mal angeheizt.

Wir haben die Einfriedungen der Vorgärten – d.h. den Frieden der Straßen – für den Krieg geopfert:  Ein totalitäres System kann im Innern auf Einfriedungen und Grenzen verzichten, eine zivile und zivilisierende Gesellschaft nicht.

Es hilft uns nicht – das ist als Entschuldigung gedacht für diese Hinwendung zu den Dingen, die wir allzugerne ausblenden – wenn ich uns lediglich die Schönheiten bestätige, die unser Braunschweig so anziehend machen und die unser Bild bestimmen – idyllische Situationen, die von ihren Eigentümern gepflegt wurden, neue Anstrengungen der Stadt, die alten Qualitäten herauszuarbeiten. Schönheiten, auf die sich meine Seele und mein Photoapparat richten, Schönheit als Ergebnis liebevoller Zuwendung, an denen sich mein Selbstbewußtsein aufrichtet, weil sie mich anspricht – mich, als beliebigen Passanten. Schönheit spricht an – sie soll uns ansprechen – sie ist die Voraussetzung für unser Ansehen und unsere Achtung (dies ist in alle Richtungen zu denken und zu verstehen). Schönheit ist unser Ausdruck für unsere Freude am Leben, für unsere Lebenslust, für unsere Liebe.

7. Lob der Schönheit

Deshalb plädiere ich in aller Entschiedenheit für die Schönheit der Dinge, mit denen wir uns umgeben. Und zwar nicht im Sinne eines modischen Designs, mit dem unser Begriff des Schönen allzuoft auf den Verbrauch reduziert wird. Sondern im Sinne des liebevoll Geschonten und Gepflegten dessen, was uns etwas wert ist.

Das heißt vor allem, daß wir den Mut haben müssen, das Schöne zu benennen um es schonen zu können. Ein Friedhof oder ein Park ist keine öffentliche Bedürfnisanstalt und auch kein Hundeklo. In Frankreich oder England sind die Parks und Gärten kleine Paradiese, die durch Gitter, Mauern und Tore geschützt sind, in denen klare Regeln für die Benutzung gelten und die des abends abgeschlossen werden – jedesmal ein symbolische Vertreibung aus dem Paradies. Sie geben Maßstäbe für unser Verhalten.

Ich wünsche mir von unseren Politikern, daß sie den Mut haben, das Öffentliche in diesem Sinne zu schützen, Öffentlichkeit nicht von anderen gleichsetzen zu lassen mit „alles ist erlaubt – einschließlich der Zerstörung“. Wieso schaffen wir es, die Parkhäuser nachts zu sichern, die nichts anderes umhüllen als eine häßliche Leere? Wieso schaffen wir es nicht, unsere Gärten und Parks des nachts zu schließen und zu schützen, die eine wundervolle Schönheit besitzen? Ausgerechnet das Grün, das die Deutschen in ihrer Geschichte oft genug als ihr Heiligstes verehrt haben, können, wollen wir im Innern unserer Städte nicht schützen, geben es preis. Und wir alle ziehen hinaus ins Grüne, um dort den privaten Frieden zu finden.

Der öffentliche Raum der Stadt muß uns etwas wert sein. Er muß schön sein. Aber weil Schönheit nicht billig sein kann, müssen wir das Öffentliche beschränken, den öffentlichen Raum rar machen. Nicht alles, was privat vernachlässigt wird, kann öffentlich werden. Dies ist ein fataler Trugschluß. Nur aus einer Beschränkung heraus können wir uns das Wertvolle erlauben.

Deshalb ist es richtig, die Stadt im Innern wertvoll zu gestalten – aber nicht nur in Hinsicht auf die Umsatzsteigerung, sondern weil uns die Stadt soviel wert ist.

Weil es uns soviel wert ist, müssen wir es schützen. Dies gilt insbesondere für innerstädtische Parks, die des abends nicht genügend Präsenz der Öffentlichkeit besitzen, um dadurch geschützt zu sein.

8. Lob der Friedlichkeit

Wie z.B. der botanische Garten. Er gewinnt oder behält seine Attraktivität, das Besondere nicht zuletzt aus seiner Abgrenzung zum Umfeld. Niemand beklagt sich, daß der Garten abends geschlossen wird. Dies ist sogar ein nicht unwichtiger Teil der Sicherheit des Quartiers.

Unter diesem Aspekt wäre es richtig, auch den Petrifriedhof einzufrieden und des abends zu schließen. Es dürfte eigentlich nicht eine Frage des personellen Aufwands sein, da sich hierfür auch engagierte Bürger selbst anbieten.

Deshalb plädiere ich zum zweiten für eine befriedete Stadt, eine Stadt, die dem Verhalten Grenzen setzt. Damit unsere Familien mit Kindern nicht wegziehen, weil sie Angst haben müssen um deren Sicherheit.

Das Private muß Schutz finden vor dem Öffentlichen, damit man wohnen kann: ruhige Innenhöfe und Gärten. Grüne Terrassen, Balkons, Dachgärten. Hierzu können die Eigentümer eine Menge beitragen durch die Gestaltung der Innenhöfe, der Vorgärten und Einfriedungen. Denn die Bewohner sind die Grundsubstanz des Städtischen. Ohne sie kommt keine Stadt zustande.

Das Öffentliche muß Schutz finden durch die Präsenz des Privaten im Raum. Weil ohne die sichtbare Gegenwart verantwortlicher Bürger die Stadt zum Sozialfall wird – und künstlich überwacht, mit öffentlichen Mitteln zusätzlich unterhalten werden muß.

Ohne die Präsenz ihrer Bewohner gäbe es nur noch Fremde und Anonymität, Gleichgültigkeit und Verbrauch. Die Stadt als Begegnung zwischen dem Örtlichen und dem Fremden gäbe es dann nicht mehr – sondern allenfalls noch Besucher zwischen historischen Kulissen und deren Kaufkraft.

Wir dürfen es nicht zulassen, daß an ihrer Stelle dann der Blick derer dominiert, die mit dem Recht und der Rechthaberei der Verkehrsordnung die Stadt beherrschen und gestalten.

Das sind wir natürlich alle selbst. Es ist unser eigener innerer Zwiespalt. Diesen Blick haben wir alle häufig genug. Denn unsere Wahrnehmung aus dem Auto ist eine vollständig andere: Wir sitzen in einem kultivierten, anspruchsvoll gestaltetem Innenraum: Er ist schön. Er wirkt friedlich, geschützt. Wir hören Vivaldi oder lassen uns von Gert Westphal Thomas Mann vorlesen.  Das Auto beschleunigt von Null auf 50 in  fünf Sekunden. Und wir wollen um 9.00 Uhr beim nächsten Termin sein.

Alles andere außen wird unter diesem Zeitdruck zum Hindernis. Innen und Außen sind zwei Welten.

Meine Wahrnehmung innen ist voller ziviler Eindrücke. Mein Erscheinen mit dem Auto im öffentlichen Raum ist jedoch voller unzivilen Ausdrucks:  Beschleunigung. Geschwindigkeit. Stärke. Lautstärke. Lärm. Geruch. Abgase. Staub – alles Belastungen. Obwohl die Autos immer besser geworden sind. Leiser. Schneller. Sicherer. Schöner.

Diese Diskrepanz erfordert viel rationale Kontrolle: Selbstkontrolle und – in zunehmendem Maße -öffentliche Kontrolle.

In unserer Ästhetik, in unserer Wahrnehmung klafft eine Lücke, (aisthesis: Empfindung oder Wahrnehmung, Gefühle oder Erkenntnis). Was außen ist, ist relativ gleichgültig, bleibt Kulisse, wird mit wachsender Geschwindigkeit zur Oberfläche, die an uns abgleitet, uns nicht mehr bewußt wird, nicht mehr bewußt werden darf.

Dies trifft besonders dann zu, wenn in der Gestalt des Raumes der Mensch keine  tragende Rolle mehr spielt, wenn jeder Gestaltungsanspruch aufgegeben wird und sich nur noch reine Verkehrsfunktion  abbildet. Hier bleiben nur bedeutungslose, nichtssagende Eindrücke. Nullaussagen. Wolfgang Welsch (Ästhetisches Denken, Reclam Stuttgart, 3. Auflage 1993) charakterisiert dies als Form der Anästhetik. Nicht Un-Ästhetik sondern An-Ästhetik: eben keine Ästhetik, keine Wahrnehmung.  In dieser Hinsicht sind wir nach außen partiell anästhesiert. Hierzu ein treffendes Beispiel als Beleg:

Ich habe mich, als ich nach Braunschweig kam, intensiv in die Stadt einzufühlen versucht – über das professionelle Verständnis hinaus emotionalen Zugang gesucht.

Hierbei bin ich auf das Thema dieser unglaublichen Brücken gestoßen, die Braunschweig umgeben: Autobahnbrücken, Eisenbahnbrücken. Ich habe versucht, diese Passagen in die Stadt, denen man sich normalerweise nicht körperlich und mit seinen Sinnen aussetzt, bildhaft umzusetzen. Denn sie sind mächtig, eindrucksvoll, prägend. Stadttore. Sind sie schön? Ich habe sie mir schön gemalt. Orte, beinahe abstrakt. Und dennoch Braunschweig. Zum Beispiel diese Brücke, zusammen mit folgenden Gedanken:

Eine Aussage auf dem Weg in die Stadt. LAST MAN. Durch Bewegung und Perspektive verbinden sich die Schriftzeichen und bedeuten auf ihre Weise die Stadt und ihre besondere Geschichte. Maschinenbau. Eisenbahn. Motoren. MAN. Lastwagen. Braunschweig – made by men.

Ein brutaler Ort – aber mit unglaublich physischer Aussage. Melancholisch. Soviel Kraft werden wir nie wieder haben. Wir arbeiten weiter an unserer Unsichtbarkeit. Wir verflüchtigen in den Netzen.

Oder diese anderen Bilder. Brücken. Ästhetisiert. Für unsere Wahrnehmung aufbereitet.

Eine Freundin von uns:

Schön. Kommt mir irgendwie bekannt vor.“
Na ja, kein Wunder.“
Wieso? Ist das in Braunschweig?“
„Natürlich, Du fährst täglich mehrfach dort durch.“ 
Wieso, ich fahr doch die Salzdahlumer Straße. Da sind doch keine Brücken.“
„Was, keine Brücken? Vier hintereinander. Vierhundert Meter nur Brücken!“
Das ist mir noch nie aufgefallen.“
Sag mal, seit wieviel Jahren wohnst Du eigentlich in Mascherode?“ „Seit 15 Jahren.“

Auch wenn dies statistisch kein repräsentatives Ergebnis ist: Es ist ein drastischer Beleg, wie unerheblich der Außenraum für uns als Autofahrer wird, wie gleichgültig wir jede Unwirtlichkeit hinnehmen können, weil sie uns im Innern garnicht erreicht: Ledersitze. Vivaldi. Klimaanlage. 120 PS. Sicherheitsgurt. Air-Bag. Es ist alles in Ordnung.

Aber andere wollen oder müssen an solchen Straßen wohnen. Und wir alle wollen eine lebendige Stadt – spätestens, wenn wir aus dem Auto steigen. Und deshalb ist es notwendig, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den Anforderungen des Fahrens, den Geschwindigkeiten und den Anforderungen des Gehens und des Wahrnehmens.

Denn Gehen ist, wie von Anthropologen dargestellt wird, die höchste Form menschlicher Bewegung: Aufrecht. Mit allen Sinnen, die wir in Jahrmillionen entwickelt haben,  inclusive unseres wachen Verstands, wenn wir in unserem Lauf immer wieder stehen geblieben sind, um genauer wahrzunehmen, um zu verstehen und darüber zu Verständnis und Verstand zu gelangen. Auch zu gegenseitiger Wahrnehmung und Verständnis. Das ist das Prinzip des öffentlichen Raums: der aufrechte Gang und die Begegnung.

Hierauf können wir nicht verzichten. Wir  müssen, wenn wir von Stadt sprechen wollen, unsere Straßen und Plätze so gestalten, das dieses Verweilen möglich wird, daß Gehen und Begegnung ihren geschützten Raum und ihre gute Gestalt finden.

Die Umgestaltung der Kastanienallee, bei der ja auch um Zentimeter gerungen wurde, ist hierfür ein sehr schönes Beispiel.

– Sie ist friedlicher geworden, weil der durchfahrende Verkehr eingeordnet wurde, ohne diesen auf andere Straßen zu verdrängen. Parkende Autos sind ebenso in diese Ordnung einbezogen – ohne den Raum zu dominieren.

– Sie ist schöner geworden mit den neuen Materialien, den Bäumen.

– Und sie ist zugänglicher, öffentlicher geworden mit den breiteren Bürgersteigen, der besseren Überquerbarkeit.

Nach meinen Beobachtungen entfaltet sich hier derzeit ein eigenes Leben mit aktiven, kleinen Geschäften, Cafés – eine Bereicherung für den Stadtteil. Für den Autofahrer aus Riddagshausen erscheint mir das kein Nachteil – im Gegenteil. Die Stadt kommt ihm entgegen, wird bereits hier auch für ihn „zugänglich“ mit ihren Geschäften.

Den umgekehrten Effekt kann man überall dort beobachten, wo Trennungen aufgebaut wurden, wenn Drahtzäune die Straße der Länge nach teilen wie in der Wendenstraße, Luisenstraße.


Natürlich muß das Öffentliche selbst sicher sein.  Geschwindigkeiten und Verkehrsströme müssen sich aber auch an der sozialen Verträglichkeit und den Räumen orientieren. Viele Straßen wie Georg-Eckert-Straße,  Kennedy-Platz, Europaplatz, Radeklint sind bekanntermaßen überdimensioniert. Die Straßen legen Geschwindigkeiten von 80 km/h nahe. Unmaßstäbliche Leuchten und Ausbauprofile signalisieren hier Exklusivität für das Auto und zu hohe Geschwindigkeiten.

Die Kurt-Schumacher-Straße ist derzeit auf jeweils eine Spur reduziert. Es gibt nach meiner Beobachtung keinen Stau.  Auch in anderen Straßen ist das zu beobachten. Es gibt ausreichend Spielraum zugunsten städtischer Lebensformen. Hier sollte ähnlich konsequent um- und weitergebaut werden wie in der Güldenstraße.

Die Güldenstraße ist ein positives Beispiel, welche Qualitäten in Verbindung mit dem Auto (und nicht unter Ausschluß des Autos!) auch an belasteten Straßen erreichbar sind. Die Fassung der Raumkanten durch Bebauung, erdgeschossige Ladennutzung, oder Büros, Bäume, die mit jedem Jahr der Straße mehr Halt und Atmosphäre geben und damit wiederum die Standortqualität verbessern: Hier entwickelt sich städtische Form aus neuem Gleichgewicht.

Auch hier ist die Stadt etwas friedlicher, schöner geworden. Und zugänglicher. Es scheint sogar die Überquerung der Güldenstraße für die Älteren des Wohnparks am Wall ohne  Ampel zu funktionieren. Hier kann der Autofahrer die Rücksicht üben, die sonst selten von ihm gefordert wird, weil alles gesteuert und geregelt ist.

9. Lob der Zugänglichkeit

Genau dieses erwarte ich zum dritten von unserer Stadt: Zugänglichkeit, ohne die keine Öffentlichkeit auskommt. Die feinen Wegenetze, die typisch für Braunschweig waren, sind noch in Teilen erhalten. Die Gassen und Tweeten ergänzen vorzüglich das Raumsystem der Straßen und Plätze und machen die Stadt für ihre Bewohner schnell und bequem. Zu Fuß. Oder mit dem Rad. Nur verlieren sie heute an manchen Hauptverkehrsstraßen ihren Sinn.

Glauben Sie nicht, daß ich mich gegen das Auto in der Stadt ausspreche. Im Gegenteil. Zum Beispiel die Friedrich-Wilhelm-Straße. Ich habe diese Straße bis vor kurzem als städtisch und öffentlich erfahren.  Buntes Durcheinander, verträglich. Eigentümer, Bewohner und Geschäftsinhaber die im öffentlichen Raum präsent sind. Eine der städtischen Straßen, in die sich der Autofahrer gut eingefügt hat. Hier war das Auto nach meinem Eindruck ein positiver Teil  des täglichen Lebens. Wie in der Südstraße oder Casparistraße. Wenn mich nicht alles täuscht, ist diese Lebendigkeit verloren. Ich befürchte, daß die bunte Mischung kleiner Läden diesen Eingriff nicht überleben wird.

Ich glaube nicht, daß unsere Stadt attraktiver wird, wenn wir mehr Reservate für Fußgänger einrichten. Denn diese Inseln des Glücks – sog. Fußgängerparadiese – begründen umgekehrt außerhalb die einseitige Dominanz des Autos und auch der Straßenbahn. Im abgestimmten Miteinander liegt die eigentliche Qualität städtischen Lebens.

Wenn wir etwas für unsere Stadt tun wollen, dann haben wir nicht nur für einen verkehrsgerechten Ausbau zu sorgen sondern vor allem für einen menschengerechten Erhalt und Umbau. Städte wie Basel, Münster oder Bologna haben gerade hierdurch ihre eigenen Qualitäten entwickelt, andere Städte wie London haben genau das erneut in den Mittelpunkt ihrer heutigen Stadtentwicklungspolitik gestellt.

Für sie ist der öffentliche Raum der Stadt erklärtermaßen ein tägliche Schule der Zivilisation, in dem aus eigener Anschaung und aus eigener Entscheidung Toleranz und Rücksicht geübt wird. Das ist urbanes Verhalten – im Französischen „polis“ identisch mit dem griechischen Wort polis = Stadt, oder im englischen „urban„- zu deutsch: höflich (wir bewegen uns sprachlich heute noch in der Etikette des Hofes).

Wir haben in Braunschweig sehr viel wertvolle städtebauliche Substanz und Schönheiten, deren Wert wir garnicht hoch genug schätzen können. Deshalb freue ich mich über alle Maßnahmen, die diese zu dieser Urbanität beitragen.

Neues findet sich – um weitere gelungene Entwicklungen zu charakterisieren – in der Gestaltung des kleinen Hauses und des Umfeldes, das diesen Teil an den alten Kern besser anbindet. Oder in der verbesserten Überquerbarkeit des Bohlwegs.

Oder ein anderes sehr gutes Beispiel ist das Bahnhofviertel, das durch kontinuierliche Sanierungsarbeit in mehr als zehn Jahren eine hohe städtische Qualität wiedergewonnen hat – mit wohlüberlegten öffentlichen Räumen unter Abwägung der verschiedenen Anforderungen.

Das Umfeld der Martinikirche und Eiermarkt sind längst selbstverständlicher Bestandteil des wiedergewonnen Stadtgrundrisses, während der Wollmarkt nunmehr Chancen hat zur Umgestaltung.

Oder der Platz vor der St. Magni-Kirche: Das Verhalten ist durch die Gestaltung auf einfache Weise vorgeprägt – befriedet. Er ist damit eine Bereicherung für alle: für die Anwohner wie für die Passanten. Und er ist schön in Proportion und Material.

10

Fragen sie mich jedoch nicht zum Rizzi-Haus, dieser oberflächlichen Vermarktung von Stadt. Wird dies zum neuen Maßstab für den Zugriff auf den öffentlichen Raum, so werden wir die andere Form der Anästhetik verstärken, die das Leben in unseren Innenstädten gefährdet, nämlich die der rauschhaften Überfülle „inszenierter Dekorationsbauten“ (wie dies Wolfgang Welsch bezeichnet) die uns „systematisch desensibilisiert„.

Gleichzeitig weist er auf die Gefahr hin, daß wir nicht nur unempfänglich für unsere physische Umwelt werden, auch ebenso für unsere soziale Umwelt.

Ich verstehe das Rizzi-Haus aus diesem Zusammenhang. Wir werden es verkraften. Aber es ist keine Bereicherung. Jedenfalls nicht für die Allgemeinheit.

Wir haben es also mit zwei Formen der Betäubung unserer Wahrnehmung zu tun: mit der Überfrachtung einer oberflächlichen Ästhetik und mit deren Gegenteil, der Beseitigung und Ausblendung unserer Wahrnehmung, wie wir dies derzeit entlang der Autobahn A2 und A7 erleben können.

Hier werden über Kilometer mit unvorstellbarem Kostenaufwand Lärmschutzwände errichtet, zwischen denen der Autofahrer jede Wahrnehmung verliert. Hier gibt es weder Stadt noch Landschaft. Braunschweig existiert hier nur noch auf der braunen Hinweistafel. Sinnlich erfahrbar bleibt hier nichts mehr. Und aus der Landschaft betrachtet endet hier die Welt.

Ist das mit den Bemühungen zu vereinbaren, die Darstellung und Wahrnehmung der Stadt nach außen zu verbessern? Was ist der Eindruck der 80.000 oder mehr Personen, die hier täglich passieren (bei ca. 60.000 KFZ)? Nichts. Malwände für die Sprayer, denen wir die Präsentation der Stadt überlassen. Kulturlose Räume. Es ist mehr als ärgerlich. Seien wir froh, daß wir IKEA und Mac Donalds haben.

Um 30 – 36 Millionen Menschen zu erreichen – und das ist in etwa die Zahl, die jährlich die A2 benutzen, müßte viel kostenträchtige Werbung in den Medien betrieben werden – wenn man das mal nur von dieser Seite betrachten möchte.

Nach dieser kurzen, aber notwendigen Erregung über den Automatismus einer technokratischen Umweltgestaltung, in der jede Ästhetik, die uns tatsächlich etwas aussagt über den Ort und die Landschaft, verbaut worden ist, möchte ich zur Innenstadt zurückkehren, zu den schönen Orten, an denen wir uns weiterhin festhalten.

11

Die Kirchen und ihre Gemeinden haben – und hier komme ich zum Anfang zurück und damit zum Schluß – in meinen Augen eine nicht zu überschätzende Bedeutung. Sie sind der Generator des Lokalen in seiner Gesamtheit, sie haben den Ort geschaffen mit seiner städtischen Öffentlichkeit, mit seiner kultivierten Räumlichkeit. Und die Kirchen sollten dies weiterhin mit aller Souveränität einfordern – eine notwendige Form von Kirchturmpolitik. Weil die Kirchen mit dem Verlust zivilisierten Stadtraums auch ihre Gemeinde verlieren. Weil es ohne die Schönheit von Straßen und Plätzen für viele von uns kein Ansehen untereinander mehr geben wird.

Deshalb ist Schönheit so wichtig. Ebenso wichtig wie Friedlichkeit und Zugänglichkeit. Aber all das nicht nur in der Stadtmitte.

Ich möchte deshalb schließen mit dem Lob der Schönheit. Vor allem jedoch mit dem Lob der Schönheit, die uns nicht gratis aus der Geschichte zufällt, sondern die wir selbst mit unseren Mitteln in unserer Generation schaffen.

Wir Architekten tragen hierfür in besonderem Maße Verantwortung. Aber auch nicht alleine.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.


Walter Ackers

Braunschweig, Oktober 1998