Wettbewerb Nördliches Ringgebiet I, Braunschweig

 
Auslober: Stadt Braunschweig
Bearbeitungszeitraum: 2013
Preis: ein 1. Preis
In Zusammenarbeit mit Capatti Staubach Urbane Landschaften, Berlin
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Schnittstelle zum Ringgleis! Der Nordpark.

Der Nordpark als Teil des Ringgleises wird als offener, durchlässiger Stadtteilpark mit Spiel- und Aufenthaltsflächen gestaltet. Das Gleis für den zweimal wöchentlich verkehrenden Zug wird wahrnehmbar freigehalten. Der südliche Rand des Parks wird identitätsstiftend durch ein Band Interkultureller Gärten gefasst, das sich räumlich und inhaltlich mit dem Nordbahnhof als Haus der Kulturen verbindet. Die hier vorgelagerte Parkterrasse und Promenade sind Teil des Ringgleiswegs. Die Nordseite wird durch die Wohnbebauung und Ringallee räumlich gefasst.

 

Im großen Bogen zur Stadt! Die Spargelstraße.

Die Spargelstraße wird zum zentralen Rad- und Fußweg ausgebaut. Sie verlängert die heute schon bedeutsame Achse Böcklerstraße – Bültenweg bis zur Nibelungensiedlung. An der Schnittstelle mit dem Ringgleis werden die Geh- und Radwegsysteme „Ring und Radiale“ miteinander vernetzt.

 

Aktive Mitte! Der Stadtanger.

Die bogenförmige Führung der Spargelstraße wird räumlich betont und zum dominierenden Stadtraum ausgeweitet. Dieser soll als „Stadtanger“ zur bedeutendsten Wohnadresse entwickelt und als Synonym für das gesamte Quartier verstanden werden. Für 80 % der Wohnungen beträgt die Entfernung zum Anger weniger als 150 Meter – ein wesentliches Argument für Ältere, Kinder und die Tagesbevölkerung. Als grüner Platz mit verschiedenen Spiel- und Begegnungsflächen, aktiven und ruhigen Randwegen bildet er die Hauptlage im Quartier. Die äußere Raumkante des Bogens ist geschlossen und führt alle Bewegungen in Richtung Innenstadt. Ein betonter Blick- und Orientierungspunkt wird der Campanile der Klosterkirche sein. Die innere, westliche Kante ist hingegen gestaffelt und gliedert den Anger in einzelne Abschnitte. Hier verzahnen sich die Wohnstraßen, die das Gebiet in Baufelder mit unterschiedlicher Tiefe strukturieren. Gleichzeitig werden wichtige Retentionsflächen gestalterisch integriert.

 

Kurze Wege! Die Quartiersstraßen.

Die inneren Quartiersstraßen mit Raumbreiten zwischen 12 – 15 Metern (hiervon öfftl. Raum 8,00 m Breite) werden als verkehrsberuhigte bzw. autofreie Straßen ausgebildet. Voraussetzung der beiden autofreien Straßen sind die Quartiersgaragen. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Erschließungsfunktion bleiben die öffentlichen Flächen vorrangig Fußgängern, Radfahrern, dem Aufenthalt und Kinderspiel vorbehalten. Befahrbar bleiben diese Quartiersstraßen für die Ver- und Entsorgung sowie alle Notfallfahrzeuge. Sie bilden gleichzeitig das räumliche Grundgerüst des energetischen Konzepts und einer umweltschonenden Entwässerung.

 

Ambivalent! Die Parkachse.

Westlich wird ein weiterer Freiraum gliedernd und orientierungswirksam als Abgrenzung zu BS-Energy angeordnet. Er bietet Raum für Stellplätze von BS-Energy und gewährleistet die Erschließung des Gebiets für PKW. Durch Bewirtschaftung der Parkplätze kann eine sinnvolle Nutzung in Abend- und Nachtzeiten auch für Bewohner und Besucher ermöglicht werden. Dieser Raum soll durch Baumreihen und Baumpakete intensiv begrünt und im doppelten Sinne als „Parkachse“ verstanden werden.

 

Grüner Rand! Die Ringallee.

Die Taubenstraße wird parallel zum Ringgleis und zum begleitenden Grünzug fortgeführt. Diese Straße wird als beidseitig baumbestandene Allee mit Promenade ausgebildet, die im Norden in die Stadtstraße einmündet. Sie bietet gleichzeitig ein Stellplatzpotential für Besucher und Anlieger, um das Quartier soweit möglich autofrei zu halten.

 

Offen für Interpretationen! Die Baufelder.

Der Quartiersgrundriss übernimmt bewährte städtebauliche Grundmuster, bleibt aber interpretationsoffener als die gründerzeitlichen Strukturen der Braunschweiger Ringgebiete. Die Baufelder können flexibel unterschiedliche Bautypologien aufnehmen, die Plandarstellung zeigt in diesem Sinne verschiedene Beispiele, die auch eine höhere Dichte erlauben.

 

Raumbildend. Die Architektur.

Der Quartierszusammenhang wird durch die vorrangig drei- bis viergeschossige Bauweise, durch die konsequente Bildung öffentlicher Straßenräume und durch die halböffentlichen, gemeinschaftlichen Hof- und Gartenflächen im Innern gewährleistet. Weitergehende Regelungen zu Fassaden, Material, Dachform etc. sind zur Sicherung des Quartierszusammenhangs notwendig.

 

Gemischte Nutzungen! Hofstrukturen am Nordrand.

Zur Integration gewerblicher Nutzungen werden im Norden zwischen Mittelweg und Bültenweg flexible Hofstrukturen angeboten, in denen unterschiedliche Mischungen von Wohnen und Gewerbe verträglich aufgenommen werden können. Der Stellplatznachweis erfolgt auf den Hofflächen.

 

Geeignete Standorte! Zentrale Einrichtungen.

Mit dem Anger sind geeignete Adressen auch für die Integration von Dienstleistungen wie Frisör, Praxen, kleinere Büros aber auch für Quartiersversorgung wie Bäcker, für Gastronomie und soziale Einrichtungen gegeben. Der südliche Platz des Angers am Ringgleisweg bietet als Eingang zum Quartier besondere Standortbedingungen für Gastronomie, Kultur, Sozialeinrichtungen, Handel. Eine Kindertagesstätte wird im 1. Bauabschnitt im nördlichen Baufeld an der Parkachse vorgeschlagen. Ein zweiter Standort ist am südlichen Eingang zum Stadtanger vorgesehen.

 

Breites Mobilitätsangebot! Das Verkehrskonzept.

Der Aufbau des Straßen- und Wegenetzes integriert die verschiedenen Mobilitätsformen, priorisiert im Innern jedoch die ruhigere, unmotorisierte Bewegung. Zu Fuß und per Rad sind das gesamte Quartier, sein Umfeld mit zahlreichen Versorgungseinrichtungen aber auch die Universität und Innenstadt zu erreichen. Fahrradabstellanlagen sind hausnah oder in den Quartiersgaragen vorgesehen. Haltestellen am Nord- und Südende des Angers sichern die Einbindung in das ÖPNV-Netz. Ein späterer Ausbau der RegioStadtBahn bleibt integrierbar.

 

Ruhe im Quartier! Die PKW-Stellplätze.

Besucherstellplätze werden den Randstraßen zugeordnet. Ein zentrales Potential wird mit der Parkachse eröffnet. Nach Fertigstellung des Parkhauses am Mittelweg für BS-Energy und die Büros kann hier ein großer Teil des Stellplatzbedarfs des Quartiers gedeckt werden. Kleinere Parkeinheiten finden sich an den verkehrsberuhigten Straßen. Der weitere Bedarf wird durch Quartiersgaragen unter den Wohnanlagen gedeckt.

 

Straßenweise Realisierung! Erster Bauabschnitt.

Als erster Bauabschnitt bieten sich die nördlichen drei bis vier Baufelder zwischen Anger und Parkachse an. Jedes Baufeld bildet im Sinne des Energiekonzeptes eine zweckmäßige Einheit, die in weitere Baugruppen gegliedert ist. Gleichzeitig wird bei blockweiser Realisierung auch der Stadtanger an der Spargelstraße frühzeitig ausgebildet.

 

Energiewende im Visier! Dezentrale Konzepte.

60% erneuerbare Energie und 50% weniger Primärenergieverbrauch, so lauten die Ziele der Bundesregierung für den Gebäudebestand im Jahr 2050. Zukunft bereits jetzt gestalten und damit die Energiewende Realität werden zu lassen, ist das Ziel des Energiekonzepts für das städtische Quartier Nördliches Ringgebiet Braunschweig. Die örtlich vorhandene Infrastruktur wird zur Wärmeversorgung des neuen Stadtteils durch den Anschluss an das Fernwärmenetz erschlossen. Strom als zukünftig dominante Energieform wird dagegen auf den vorgeschlagen Baustrukturen durch integrierte Photovoltaikanlagen selbst erzeugt und genutzt, Überschüsse in die angrenzenden Bezirke exportiert. Entgegen der bisherigen energetischen Bilanzgrenzen, die sich auf die Gebäudeebene beschränken, werden Baugruppen, Blöcke oder das Quartier im ökologischen und ökonomischen Kontext zusammengefasst. Konsequent sollte ein wirtschaftliches Optimum aus Bedarfsreduzierung und regenerativer Deckung verfolgt werden.

 

Einfache Strukturen! Positive Bilanz.

Über die Energiefragen hinaus, wird der Nachhaltigkeitsgedanke in den Entwurfsprozess integriert, und u.a. Vorschläge für eine ressourcenschonende Infrastruktur, eine effiziente Flächennutzung, ein Regenwassermanagement zur dezentralen Retention aber vor allem für einen hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität entwickelt. Das einfach strukturierte Versorgungskonzept sieht hohe regenerative Deckungsanteile für das gesamte Quartier vor und liefert mit dem Angebot einen Baustein für die Versorgungsstruktur in der Stadt der Zukunft. Die interne Vernetzung der Gebäude erfolgt über die Grundstückgrenze hinaus, sodass von der positiven Bilanz auch benachbarte Quartiere profitieren können.